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Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr

Stadt Niebüll / Grußwort zum Jahreswechsel 2015/16

Liebe Niebüllerinnen und Niebüller, liebe Nachbarn!

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende. Anders als sonst, ersparen wir es Ihnen und uns Zahlen und Einzelheiten zu reflektieren. Zu übermächtig ist in 2015 das Thema der Aufnahme von Flüchtlingen geworden. Und auch die Sorge um das Krankenhaus, die Klinik Niebüll im Klinikum Nordfriesland.

Die Stadt Niebüll ist seit weit mehr als zwei Jahrzehnten Standort der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises Nordfriesland für Asylbewerber. Viele Menschen, die über die Jahre aus Gründen der politischen, religiösen oder ethnischen Verfolgung oder auch aus Gründen der wirtschaftlichen Not in ihrer Heimat hier im Norden Schleswig-Holsteins einen sicheren Zufluchtsort gefunden haben, sind heute Teil unserer Gemeinschaft, sind Nachbarn, Kollegen und Mitschüler.

In Niebüll lebten Ende März 2015 über 700 Menschen aus 72 Nationen! Hätten Sie das gedacht?

Niebüll ist bunt geworden, Niebüll hat eine gute und langjährige Tradition der Aufnahme und des Willkommens für Flüchtlinge.

Das mag auch in der eigenen Geschichte der Stadt Niebüll begründet sein. Wuchs die Niebüll-Deezbüller Bevölkerung doch von 4.210 Einwohnern im Jahre 1940 aufgrund von Flucht und Vertreibung nach dem großen Krieg von 1939-1945 auf 6882 im Jahre 1950. Das war eine Steigerung von über 60%! Trotz bitterer Verluste in der eigenen Bevölkerung, Verlust von Angehörigen, die im Krieg gefallen sind oder als Vermisste nicht aus den Erinnerungen verschwinden. Viele unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger können noch ein Gefühl dafür entwickeln, wie gut es war, nach Monaten der Flucht und Unsicherheit endlich angekommen zu sein. An einem Platz, wo man sein Leben neu aufbauen konnte und mit der Zeit selbstverständlicher Teil des Ortes wurde, in dem man Aufnahme fand. Zu einer Zeit, wo Flüchtlinge es in der neuen Heimat allerdings auch nicht immer einfach hatten akzeptiert zu werden. So viel Ehrlichkeit muss sein. Aber sie wurden nicht danach eingestuft werden, was sie der eigenen Gemeinde oder Gesellschaft bringen. Mit all unserer Erfahrung und unserem Erleben mit der Einbeziehung von Asylbewerben in unsere Gesellschaft erschrickt es uns, dass Flüchtlinge in Nachbargemeinden teilweise als Stabilisierungspotential gegen den demografischen Wandel eingestuft werden und Familien mehr willkommen geheißen werden als allein geflüchtete junge Männer. Junge Männer, die vielfach in Abstimmung mit ihrer Familie den Weg ins wohlhabende Mitteleuropa auf sich genommen haben in der Hoffnung, in unserem Land in Sicherheit zu sein und vielleicht auch arbeiten zu können. Um mit eigener Arbeit die zurückgebliebenen Familien in Syrien oder in den großen Lagern in der Türkei oder im Libanon etwas helfen zu können. Das gibt aber keinem und schon gar nicht öffentlichen Amtsträgern das Recht, diese Menschen lt. Zeitungsbericht vom 18.12.15 als Subjekte einer „Flüchtlings-Industrie“ einzuordnen. Die man zur Not auch gleich über die Startbahn auf dem ehemaligen Flugplatz in Leck wieder in Richtung ihrer Heimat befördern könnte. Solche Haltungen werden still akzeptiert, wenn man ihnen nicht widerspricht. Haltungen, denen wir deswegen hier öffentlich widersprechen!

Flüchtlinge sind keine Sachen. Sie sind Menschen!

Ja, auch wir wollen das „Wir in Südtondern“ fördern. Aber dieses Südtondern muss es aushalten können, dass es andere, bessere Haltungen zum Umgang mit dem Flüchtlingsthema gibt. Niebüll steht für diese andere Haltung. Eine Haltung, die „Willkommen!“ sagt. Ohne Vorbehalt.

Am Ende des alten Jahres gilt unser ganz besonderer Dank deswegen den vielen ehrenamtlich tätigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich mit viel Zeit für die Flüchtlinge engagieren. Ob als Patin oder Pate, bei der Sprachförderung, im Sportverein, als Fahrer oder im Fahrradladen. Dieser Dank gilt genauso den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Amtsverwaltung, die sich der herausfordernden Aufgabenstellung mit viel Engagement zuwenden. Teils bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Vielen Dank!

Natürlich hat das Jahr 2015 auch noch viele andere Themen gehabt, die man erwähnen könnte. Wer die Entwicklung Niebülls verfolgt, wird die Stichworte alle kennen. Ein Stichwort, das unsere Aufmerksamkeit und unser Engagement auch ins neue Jahr hineinbegleitet, ist der Erhalt des Krankenhauses in Niebüll. Die momentan schwer zu durchschauende und zu beurteilende Entwicklung beim Autozugverkehr nach Sylt mit seinen Auswirkungen auf den Bahnübergang in der Gather Landstraße und den Regionalverkehr auf der Marschbahn als tragender Säule in der Verflechtung von Festland und der Insel Sylt (Pendler) ist ein anderes Stichwort.

Niebüll muss das Krankenhaus in seiner Struktur als Haus der Grund- und Regelversorgung behalten. Ein Krankenhaus, dass nicht nur Durchgangsstation ist, sondern mit seinem klinischen Angebot den Menschen in Südtondern, auf Sylt, auf Föhr, Amrum und den Halligen Vertrauen und Sicherheit bietet. Wie seit 1929! Das ist unser Kreis Nordfriesland seinen rund 70.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Norden schuldig und daran werden die für März 2016 anstehenden Entscheidungen zu messen sein. Wir sind nicht betriebsblind, wir können auch rechnen. Aber wenn aufgrund systemischer Probleme in der Klinikfinanzierung eine strukturell notwendige klinische Versorgung einer ganzen Region in Frage gestellt wird, versagt Politik. Politik im Sinne kommunaler Selbstverwaltung mit der Kernaufgabe Daseinsvorsorge. Die vielbemühte kommunale Familie muss hier zusammen stehen. Nicht nur in Südtondern, sondern im ganzen Kreis. Der Kreis Nordfriesland selbst gehört zu dieser Familie und hat dafür zu sorgen, dass in dieser Familie keiner zu kurz kommt.

In diesen Tagen gilt unser besonderer Dank allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unserer Stadt, die nicht im Kreise von Familie oder Freunden Weihnachten oder den Jahreswechsel feiern, sondern ihre Zeit und Arbeitskraft in den Dienst der Allgemeinheit stellen, bei der Polizei, im Rettungsdienst, im Krankenhaus und in anderen sozialen Einrichtungen. Oder auch an der Schranke am Bahnübergang Gather Landstraße.

Wir danken all denen, die daran mitgearbeitet haben, die Stadt Niebüll lebens- und vor allem liebenswert zu gestalten. Unser Dank gilt besonders den Bürgerinnen und Bürgern die sich auf karitativem, sportlichem und kulturellem Gebiet in Kirchen, Vereinen und Verbänden beruflich und ehrenamtlich engagiert haben. Nicht zuletzt danken wir den Mitgliedern der Stadtvertretung und derer Ausschüsse und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Niebüll und dem Amt Südtondern recht herzlich für die gute Zusammenarbeit. Wir danken für ihr Mitdenken, ihr Mitwirken und ihr Mitarbeiten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gutes und ein sinnerfülltes neues Jahr 2016.

Wir laden Sie herzlich zum Neujahrsempfang der Stadt Niebüll am Sonntag, 17. Januar 2016 um 11.30 Uhr in die Mensa der Gemeinschaftsschule im Schul- und Bildungszentrum in der Uhlebüller Straße 15 ein.

Uwe Christiansen Wilfried Bockholt

Bürgervorsteher & Bürgermeister